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Geschwister als Team -weniger Streit, mehr Zusammenhalt

im Hintergrund ein Foto. MAn sieht drei Menschen, die sich an den Händen halten. Man sieht nur die Beine, Unterkörper und Hände. Zwei von den Menschen sind Kinder. Da ist ein Kasten mit einem Text. Da steht "Geschwister als Team- weniger Streit, mehr Zusammenhalt"

Geschwister, die sich lieben und füreinander einstehen, die friedlich miteinander spielen und vielleicht sogar lebenslange Freunde bleiben – wie die Kinder von Bullerbü? Wäre schön, oder? Vielleicht war das sogar einer der Gründe, dass ihr euch für ein weiteres Kind entschieden habt? Weil du ihnen diese wertvolle geschwisterliche Verbundenheit schenken wolltest?

Stattdessen streiten sie, bis du ihnen am liebsten an die Gurgel springen möchtest? Gönnen sich gegenseitig die Streusel auf dem Pudding nicht und scheinen sich eher zu hassen als zu lieben? 

Nun, das Leben ist kein Wunschkonzert 🤪 Es gibt keine Garantie dafür, dass deine Kinder sich mögen. Weder jetzt noch später.

Aber: Du kannst einiges dafür tun, dass aus deinen Kindern ein gutes Geschwister-Team wird.

In diesem Artikel erfährst du, welche kleinen Veränderungen von euch als Eltern einen großen Unterschied machen, wie du die Beziehung zwischen deinen Kindern stärken kannst und warum eine gute Geschwisterbeziehung leider nicht bedeutet, dass es keinen Streit mehr gibt.

Richtiger Altersabstand? Richtiges Geschlecht?

Natürlich gibt es Forschung dazu, was ein guter Altersabstand zwischen Geschwistern ist (je enger beieinander, desto mehr Streit) und wie sich das Geschlecht auswirkt (gleichgeschlechtliche Geschwister streiten eher mehr als gegengeschlechtliche).

Aber mal ehrlich: In der Regel sind die Kinder ja schon da, wenn die Streiterei losgeht. Da lässt sich am Altersabstand ja nix mehr drehen. Und überhaupt lässt sich das Kinderkriegen nicht immer so genau planen. Auf das Geschlecht haben wir zum Glück sowieso keinen Einfluss.

Außerdem werden auch Kinder mit dem “richtigen” Altersabstand und der “richtigen” Geschlechterverteilung nicht automatisch Freunde.

Konzentrieren wir uns also lieber auf die Dinge, die wir beeinflussen können. 

6 Dinge, die du beachten solltest, damit aus deinen Kindern ein gutes Geschwister-Team wird

Geschwister haben zwei große Besonderheiten: sie können sich ihr Gesschwisterkind anders als ihre Freunde nicht aussuchen und sie leben in einem extrem engen sozialen Verbund miteinander. Da ist der Streit also quasi vorprogrammiert.

Trotzdem können wir einiges dazu beitragen, damit aus unseren Kindern ein gutes Team wird. Manches davon ist ganz easy, andere Dinge müssen wir vielleicht ein bisschen üben.

1. Erwartungen loslassen – und zwar komplett

Deine vielleicht wichtigste Maßnahme: verabschiede dich von allen Wunschvorstellungen, die du über die Geschwisterbeziehung hegst.

Geschwister müssen keine Freunde sein. Sie müssen nicht froh sein, dass sie sich haben. Sie müssen sich nicht einmal mögen. 

Geschwister dürfen sich sogar so richtig, richtig blöd finden. Sie dürfen das sogar zeigen und sagen! Sprich deinem Kind seine Gefühle nicht ab, sondern erkenne sie an.

Kein

  • “Er ist dein Bruder, du musst ihn mögen”,

stattdessen

  • “Gerade findest du deinen Bruder richtig nervig, oder?”
  • “Du wünschtest, das Baby würde wieder verschwinden?”

Geschwisterliebe ist kein Gefühl, das Eltern herstellen können. Je mehr du es ihnen aufzwingen möchtest, desto mehr Abneigung entsteht wahrscheinlich.

Aber: Du solltest trotzdem Wert darauf legen, ihnen einen respektvollen und gewaltfreien Umgang miteinander beizubringen. In dem Blogartikel “Familienregeln- welche braucht ihr wirklich?” kannst du dazu nachlesen.

2. Niemals die Geschwister miteinander vergleichen!

Vermeide unbedingt, die Geschwister miteinander zu vergleichen, auch wenn die Versuchung groß ist. Auch nicht, wenn der Vergleich als Ansporn oder Motivation gemeint ist.

Kein

  • “Schau mal, wie ordentlich deine Schwester isst!”
  • “Ich wünschte, dein Bruder würde sich ein Beispiel an dir nehmen”
  • “Warum kannst du dich nicht einfach anziehen und mitkommen, so wie dein Bruder es macht?”
  • “Schau, wie schön deine Schwester das Bild gemalt hat.”

Solche Vergleiche sind oft sehr verletzend und führen garantiert zu Groll gegenüber dem Geschwisterkind, das es vermeintlich besser oder toller kann. Kinder interpretieren solche Aussagen außerdem schnell als „Mama mag meinen Bruder lieber als mich” oder “Ich kann es sowieso nie recht machen”.

Stattdessen beschreibe dem Kind, um das es gerade geht, was du siehst, fühlst und was getan werden muss:

  • “Du hast noch keine Schuhe an und wir müssen jetzt wirklich los. Ich fürchte, dass wir sonst zu spät kommen. Bitte zieh dich jetzt an.”
  • “Du kleckerst gerade deinen Pulli voll. Bitte mach den Löffel nicht so voll!”
  • “Ich glaube, das fällt dir noch schwer, wir müssen es vielleicht noch öfter üben.”

3. Konkurrenz zwischen den Kindern nicht fördern

Kinder fühlen oft von ganz allein eine gewisse Konkurrenz untereinander. Unsere leistungsorientierte Gesellschaft trägt auch ihren Teil dazu bei.

Lass dich nicht darauf ein und versuche, die Stärken jedes Kindes einzeln anzuerkennen und die Sehnsucht hinter “Ich kann das aber besser als der!” zu erkennen.

Kinder brauchen Aufmerksamkeit, möchten “gesehen” werden und sich geliebt fühlen. Je besser diese Bedürfnisse erfüllt werden, desto weniger muss dein Kind gegen das andere Kind ankämpfen.

4. Deine Kinder nicht in Schubladen stecken

“Meine Große ist ein absoluter Engel, aber der Kleine macht mir wirklich Sorgen. Ich weiß nicht, was ich bei ihm falsch gemacht habe.”

Vorsicht vor solchen Zuschreibungen! Wir stecken unsere Kinder oft in Schubladen, ohne dass uns das so richtig bewusst ist.

  • “Das ist unser Wirbelwind.”
  • “Sie ist die Vernünftige.”
  • “Auf ihn kann ich mich verlassen, aber bei ihr muss ich immer alles kontrollieren.”
  • “Er ist ein Junge, er kann halt nicht so gut mit Gefühlen umgehen.”

Solche Schubladen tun keinem der Kinder gut! Weder die positiven, noch die negativen!

Die negativen Zuschreibungen können dazu führen, dass das Kind resigniert und sich gar nicht mehr anstrengt. Oder dass es so in seine Rolle gedrängt wird, dass es gar nicht mehr anders kann, als sie zu erfüllen. Ein typisches Beispiel wäre der “Klassenclown” oder der “Wilde”.

Die vermeintlich positiven Zuschreibungen engen genauso ein, sind ungesund und nehmen den Kindern ihre Entfaltungsmöglichkeiten. Zum Beispiel ist das “Engelchen” vielleicht auch mal wütend, kann die Wut aber nicht zeigen, weil sie dann ihren Statu als Engel verlieren würde.

Versuche also, die Schubladen in deinem Kopf zu bemerken und immer wieder bewusst dagegen zu steuern. Dein Wirbelwind ist bestimmt auch mal kuschelig oder konzentriert. Dein Engel muss auch mal unangepasst und nervig sein dürfen.

5. Umgang mit Geschwisterstreit

Wir erinnern uns: die Kinder leben eng miteinander und können sich ihr Geschwister nicht aussuchen. Außerdem haben Kinder generell noch keine perfekte Impulskontrolle, Emotionsregulation und soziale Kompetenzen (übrigens: wir Erwachsenen oft auch nicht 🤫).

Konflikte gehören zu jeder engen Beziehung und innerhalb der Familie haben die Kinder ein perfektes Übungsfeld, um eine gute Streitkultur und Konfliktlösungsstrategien zu lernen.

Es geht nicht darum, Streit zu vermeiden oder den oder die Schuldigen zu finden. Sieh dich nicht als Schiedsrichter, sondern als Teamcoach. 

Es geht darum, die Kinder zu schützen, Gefühle zu begleiten, jedem Kind Raum zu geben und die Verbindung wieder herzustellen.

In der Regel müssen wir das eine ganze Weile recht eng begleiten, so lange sie die Konflikte noch nicht halbwegs konstruktiv (oder zumindest ohne körperliche und seelische Verletzungen) lösen können.

Im Blogartikel “Hilfe, meine Kinder streiten!” Habe ich ausführlich darüber geschrieben, wie du damit umgehen kannst. 

6. Zusammenhalt stärken

Oft sehen wir nur, wenn es gerade nicht gut läuft (eine ziemlich lästige Eigenschaft unseres Gehirns…). Übe, wahrzunehmen, wenn sie gerade richtig gut zusammenarbeiten und spreche es an:

  • “Ihr seid ein richtig gutes Team!”
  • “Wenn ihr zusammenhelft, schafft ihr das bestimmt!”

Du kannst das Zusammengehörigkeitsgefühl durch gemeinsame Projekte und Spiele fördern:

  • kooperative statt kompetitive Gesellschaftsspiele
  • gemeinsames Backen
  • Höhle bauen
  • Schatzsuche

So schafft ihr gemeinsame Erlebnisse ohne Konkurrenz.

Geschwister als Team – ein erreichbares Ziel!

Ganz ohne unsere Hilfe geht es also wahrscheinlich nicht. Kinder werden nicht zu einem guten Geschwister-Team, nur weil sie Geschwister sind.

Sie werden zu einem Team, wenn sie sich nicht als Konkurrenten um die Liebe ihrer Eltern erleben, sondern als gleichwertige Mitglieder derselben Familie. Und weil sie lernen dürfen, Konflikte zu haben und zu lösen.

Am Anfang müssen wir dafür viel Zeit und Nerven investieren. Es lohnt sich aber! Irgendwann kannst du dich zurücklehnen und einen Kaffee trinken, ohne dass du fürchten musst, dass die Kinder sich in der Zeit die Köpfe einschlagen. 🙂

Ist das nicht eine schöne Aussicht?

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